Lenné-Gesellschaft Bonn e.V.
Lenné-Gesellschaft Bonn e.V.

Vision einer Nutzung des Lenné-Hauses als Informationsstelle über „Rheinlandschaften“ und P. J. Lenné

Friedrich von Klitzing              Mai/November 2020

 

 

Hier wird eine mögliche Nutzung des Lenné-Hauses beschrieben, bei der nicht in erster Linie die Schaffung eines neuen Museums im Vordergrund steht, sondern das touristische Informieren über Landschaften, Parks und Gärten im Rheinland. Einheimische und Touristen sollen dafür gewonnen werden, in ihrem Heimatland, in ihrem Reiseland ihren poetischen, gartengestalterischen, botanischen und ökologischen Interessen nachgehen zu können. Das historische Vorbild des Landschafts- und Gartengestalters Lenné soll als Mittel für diesen Zweck eingesetzt werden.

 

Der Standort des Lenné-Hauses neben dem Alten Zoll, dem erhöhten Plateau am Rhein mit weitem Blick über Flusslauf und Siebengebirge bietet sich dafür an. Einst war dies die wichtigste Verbindungsstelle zwischen der kurfürstlichen Residenz und dem Rhein, heute sollte sie es zwischen dem Stadtzentrum und dem Rhein sein. Der städtebauliche Zusammenschluss des Stroms mit seinen Promenaden und Schiffsanlegestellen, der City und den ehemals kurfürstlichen Schloss- und Parkanlagen soll in Zukunft weiter gestärkt werden, u.a. durch innerstädtische Grün- und Sichtachsen. Der „Masterplan Innere Stadt Bonn“ sieht dies vor. Der Überwindung des Höhenunterschieds zwischen Rheinpromenade und Aussichtsplattform „Alter Zoll“ dienen attraktive Wege im hängigen Ufergelände, die durch einen Aufzug ergänzt werden.

 

Passanten der Rheinpromenaden und der Bonner City, Passagiere der Rheinschifffahrt und einheimische Bürger sollen informiert werden über Schlösser, Gärten, Parkanlagen, Burgen, Naturlandschaften, Wander- und Radwege in naher und weiterer Umgebung und im Verlauf des Rheins. Dazu sollen aktuelle Informationen über Erreichbarkeiten und zu erwartenden Service geboten werden. Beispiele für natürliche und kultureller Ressourcen des Rheinlands, die eine solche Aufmerksamkeit verdienen, seien im Folgenden genannt:

 

Bonn

  • Direkt neben dem Lenné-Haus ist der „Stadtgarten“, dessen rheinseitigen Teil es nicht mehr gäbe, wenn nicht Lenné in den 1850er Jahren sein Renommee gegen Bonner Bebauungspläne zur Geltung gebracht hätte.

  • Ebenfalls räumlich nahe liegen die beiden ehemaligen kurfürstlichen Schlösser Bonn und Poppelsdorf mit ihren Allee- und Parkumgebungen, die in gartengestalterischer und städtebaulicher Verbindung untereinander und zum Lenné-Haus stehen, darunter der „Botanische Garten“.

  • Der Rheinauenpark liegt mit 160 ha beiderseits des Rheins nahe dem ehemaligen Regierungsviertel, heute Konferenzzentrum. Er ist in den 1970er Jahre entstanden und wurde 1979 in die Bundesgartenschau einbezogen. Er zeigt Lenné-sche Gestaltungsprinzipien. Seit 2017 steht er unter Denkmalschutz.

  • In rechtsrheinischen Bonn-Oberkassel gibt es das Arboretum Park Härle, in das Übergänge zu Hangwald und zu einem aufgelassenen Steinbruch am Rande des Siebengebirges einbezogen sind.

Siebengebirge

  • Das Siebengebirge ist wegen seiner naturbezogenen Wälder und seiner romantischen Blicke und Burgen berühmt. Seine touristische Bedeutung kommt in der Existenz einer „Tourismus Siebengebirge GmbH“ in Königswinter zum Ausdruck. Gesondert hingewiesen sei hier auf Drachenfels, Drachenfelsbahn, Schloss Drachenburg mit Park, Deutsches Museum für Naturschutzgeschichte im Vorbau von Schloss Drachenburg.

Brühl

Die Schlösser Augustusburg und Falkenlust sind mit ihren Parkanlagen seit 1984 Weltkulturerbe. Das Gartenparterre am Schloss Augustusburg ist 1728 von Dominique Girard (Schüler von André Le Nôtre) geschaffen worden. Lennés Vater war 1783-1784 Verwalter des Schloss- und Lustgartens Brühl. Danach übernahm dessen Schwager Joseph Clemens Weyhe diese Position. Bei Weyhe war dann 1805 bis 1808 Peter Joseph Lenné in Brühl in der Lehre. Große Teile des Brühler Parks sind ab 1842 von Lenné als englischer Landschaftsgarten unter Einbeziehung der Eisenbahntrasse umgestaltet und erweitert worden.

Das Rokoko-schloss Falkenlust wurde 1729 bis 1737 nach Plänen von François de Cuvilliés als Dependance zur Jagd mit Falken auf Kraniche in den Rheinauen und -sümpfen gebaut. Soweit erstreckte sich damals die natürliche Landschaft des mäandernden Rheins.

 

     Köln

  • Das Flora-Ensemble von Peter Joseph Lenné von 1864 und der Botanische Lehrgarten von 1914 sind seit 1920 vereinigt (11,5 ha). Es gibt 12.000 Pflanzenarten aus aller Welt in Freiland und Gewächshäusern.

  • Im Süden Kölns wurde 1964 auf früherem Festungsareal der forstbotanische Garten angelegt (25 ha).

    Düsseldorf

  • Ab 1804 sind unter dem Hofgärtner Maximilian Friedrich Weyhe Insgesamt 25 Gartenanlagen entstanden. Die bekanntesten sind der bis heute erhaltene Hofgarten (1804-1835), die Anlagen am Schwanensee und am Spee‘schen Graben und die Königsallee. Maximilian Friedrich Weyhe war ein Vetter von Peter Joseph Lenné und ist von dessen Vater, Peter Joseph Lenné d. Ä., von 1789 bis 1792 in Bonn zum Gärtnergesellen ausgebildet worden,

  • In Düsseldorf-Benrath gibt es das Kurfürstliche Gesamtkunstwerk Schloss und Park im Rokokostil, das später preußischer Königsbesitz wurde. Das gab Lenné und seinem Vetter Weyhe ab 1841 die Gelegenheit, einen „Englischen Garten“ mit vielen fremden Baumarten einzurichten.

Im östlichen Kavalierflügel des Schlosses befindet sich das Museum für Gartenkunst. Es zeigt die Geschichte der europäischen Gartenkunst, darunter als Themenschwerpunkte Blumenmoden, Skulpturen im Park, Gartenpläne, Gehölzschnittkunst, Garten als Apotheke, Jagd nach seltenen Pflanzen, Düsseldorf als Gartenstadt.

 

    Rheinland-Pfalz

Rheinaufwärts liegt südlich von Koblenz das Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal. In ihm sind mit Bezug zu Peter Joseph Lenné die Rheinpromenade in Koblenz und der Park um Schloss Stolzenfels bedeutsam.

 

Museale und didaktische Nebeneffekte

Ein Tourist-Info-Angebot im Haus Lenné schließt museale Wirkungen nicht aus. Sie sind teilweise „von Natur aus“ gegeben. Das Hofgärtnerhaus, in dem Peter Josef Lenné als Sohn des Hofgärtners Peter Josef Lenné d. Ä. aufwuchs, die Haustür zum Hofgarten, der Rhein- und Siebengebirgsblick verdeutlichen, was hier in Bonn dem späteren Künstler in die Wiege gelegt worden ist. Allein das reicht, um das Lenné-Haus in Bonn mit dem Ernst-Moritz-Arndt- und dem Schumann-Haus in eine museale Reihe zu stellen.

Die Lenné-Gesellschaft Bonn hat im Konzept „Lenné-Rheinblick“ (vgl. dort „Einzelprojekte“) ein Bündel von Themen benannt, zu denen Präsentationen in Frage kommen. Zur Nutzungs-Vision des Hauses gehört dementsprechend ein „Showroom“ zum Vorführen von Filmen und Videos für 20 bis 30 Besucher. 

  

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