Lenné-Gesellschaft Bonn e.V.
Lenné-Gesellschaft Bonn e.V.

Anlage 1 zur Petition der Lenné-Gesellschaft Bonn e. V.

Begründung aus kulturhistorischer Sicht

von Ingeborg Nolden

 

Die Bundesstadt Bonn - ehemalige kurfürstliche Residenzstadt und ehemals Bundeshauptstadt, Universitäts-, UNO- und Beethoven-Stadt – hat neben dem weltbekannten Komponisten einen weiteren berühmten Sohn, den Garten- und Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné, dessen Andenken in Bonn jedoch sehr vernachlässigt wird. Nach kurzem Aufflammen zu seinem 200. Geburtstag im Jahr 1989 geschah bis zu der Gründung der Lenné-Gesellschaft Bonn e. V. am
22.1.2016 – zum 150. Todestag Lennés – in Bonn von offizieller Seite nichts mehr in Sachen Lenné. Vor dem 250. Geburtsjubiläum im Jahr 2039 liegen noch 18 Jahre, Zeit, eine grundsätzliche Änderung in der Pflege seines historischen Erbes herbeizuführen.

 

Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Eigentümerin des denkmalgeschützten Lenné-Hauses, hat allen Forderungen nach Umwandlungen des ehemaligen Hofgärtnerhauses in ein Museum oder Informationszentrum eine Absage erteilt. Sie begründet dieses mit Eigenbedarf als „Exzellenz-Universität“. Wir sehen darin eine Missachtung des Erbes aus kurfürstlicher Zeit. Wir, die Lenné-Gesellschaft Bonn, engagieren uns ehrenamtlich und hoffen für die Stadt Bonn, die Bonner Universität und das Land NRW in Bezug auf dieses historische Erbe etwas zu schaffen, was mit dem Beethoven-, Macke- und Schumann-Haus durch Bürgerinitiative vor Jahren erreicht wurde und ohne dieses private Engagement verloren gewesen wäre.

 

 

Die Lenné-Gesellschaft Bonn e.V. wird in ihrem Anliegen unterstützt von einer Reihe von Institutionen und Persönlichkeiten. In erster Linie vom Potsdam-Club Bonn e.V., für den seit seiner Gründung 1989 P. J. Lenné ein Bindeglied der Städtepartnerschaft mit Potsdam ist. Potsdam, vertreten durch seinen Oberbürgermeister Mike Schubert, und der Vorsitzende des Potsdam-Clubs e.V. Walter Christian betrachten die Vernachlässigung Lennés in Bonn – sichtbares Zeichen das Lenné-Haus - mit Sorge.

Das Geburtshaus von P. J. Lenné, dem bedeutendsten Gärtner des 19. Jahrhunderts in
Zentraleuropa, bietet seit 2006 in zunehmendem Maße einen verkommenen Anblick. Bei den umfangreichen Sanierungsmaßnahmen am Alten Zoll und dem ehemaligen Oberbergamt wurde das Lenné-Haus außen vorgelassen bzw. immer wieder zurückgestellt. Unser Anliegen ist es, erstens das Haus in einen würdigen Zustand zu bringen und zweitens es einer Funktion zuzuführen, die seiner historischen und kulturellen Bedeutung angemessen ist und der Universität und der Stadt zu Ehre und Nutzen gereicht.


Darüber hinaus sollte Lennés Andenken an weiteren Plätzen der Stadt präsent und der „Lenné-Park“ in Endenich erhalten werden.


In Art. 14.2 des Grundgesetzes heißt es: „Eigentum verpflichtet." Staatliche Einrichtungen tragen zusätzlich eine höhere Verantwortung für ihre Denkmäler.


Dabei ist uns durchaus bewusst, dass wir, juristisch betrachtet, nicht die Verwirklichung unseres Anliegens in beiden Teilen verlangen können. Aber wir appellieren an die moralische Verpflichtung des Landes NRW und seiner Universität Bonn und weisen auf die kulturelle Tradition und zugleich auf Art. 18,2 der Verfassung von NRW hin: „Die Denkmäler der Kunst, der Geschichte und Kultur, die Landschafts- und die Naturdenkmale stehen unter dem Schutz des Landes, der Gemeinde und Gemeindeverbände.“


Das Lenné-Haus
Das Haus, in dem Peter Joseph Lenné d. J. am 29. September 1789 geboren wurde, ist eines der ganz wenigen existierenden Bonner Wohnhäuser aus dem 18. Jahrhundert. Trotz einiger gravierender Veränderungen, insbesondere des Ersatzes des geschwungenen, hohen Mansarddaches durch ein einfaches Walmdach nach dem zweiten Weltkrieg, fügt es sich in das barocke Ensemble des ehemaligen kurfürstlichen Schlosses ein und ist Beispiel für das schlichtere Wohnen der Hofangestellten im Gegensatz zu den Palais der Höflinge.


Erbaut worden ist es als Hofgärtnerwohnung für den damaligen leitenden Hofgärtner Joh. Cunibert Lenné, den Großvater von P. J. Lenné, nach dem Schlossbrand im Jahre 1777. Es entstand als Fortsetzung und Abschluss von Schlossgalerie und Orangerie in Richtung Rhein unmittelbar neben dem Alten Zoll. Mit 3 Wohnetagen inklusive Mansardengeschoss und 6 Fensterachsen bot es Platz für die 14-köpfige Gärtnerfamilie und deren Angestellte sowie für Arbeitsräume im Parterre. 

Nach dem Tode von Cunibert Lenné zog sein Sohn, P. J. Lenné d. Ä., dort ein als 4. Hofgärtnergeneration der Familie Lenné in Bonn.


Das Ende der Kurfürstenherrschaft bedeutete auch das Ende der Hofgärtner-Dynastie in Bonn, (1665 bis 1811). Peter Joseph Lenné d. Ä. ging 1811 nach Koblenz; sein Sohn P. J. Lenné d. J. 1816 an den preußischen Hof nach Potsdam, wo er Karriere machte.


Peter Joseph Lenné
Seine Sozialisation erhielt er in seinen Bonner Jahren einschließlich seiner Gärtnerlehre im nahen Brühl 1789 - 1811. Die Tätigkeit des Vaters als Hofgärtner, das kurfürstliche Umfeld und die exponierte Lage seines Elternhauses mit dem noch heute unvergleichlich schönen Blick über den Rhein und das Siebengebirge hinterließen nachhaltige Eindrücke. Geprägt wurde er auch vom Geist der Aufklärung, der in Bonn in maßgebenden Kreisen herrschte.


Seine Aus- und Weiterbildung als Gärtner, Garten- und Landschaftsgestalter und Städteplaner führte ihn ferner nach Paris, Wien und München, in die Schweiz, nach Italien und England. Seine Betätigungsfelder wurden vor allem Potsdam und Berlin und darüber hinaus ganz Preußen inklusive dem Rheinland, aber auch Bayern und das damalige Deutschland im Osten, heute Polen.


Ihn zeichnete insbesondere seine Unermüdlichkeit in vielen Bereichen aus, nicht nur Gärten und Parks, sondern Stadt- und Landschaftsplanung, Gründung von Schulen der Ausbildung und Züchten von Pflanzen und Bäumen beschäftigte ihn. Dazu kam seine umfassende Fachkompetenz auf dem Gebiet der Botanik und Dendrologie (Gehölzkunde). Für uns besonders aktuell ist seine Idee von der großen Bedeutung des Verhältnisses zwischen Mensch und Natur. Angesichts der zunehmenden  Industrialisierung und Ausdehnung der Städte befasste er sich in seiner letzten Lebensphase intesiv mit Stadtplanung und der Durchgrünung der Stadt zur Gesundung der Bewohner.


Das Ensemble

Das historische Ensemble um das Lenné-Haus und der weiteren Umgebung besteht aus: Universitätshauptgebäude (ehemaliges Residenzschloss), Hofgarten und Stadtgarten, Alter Zoll, ehemaliges Oberbergamt (heute Institut für Geschichtswissenschaft), Urweltmammutbaum (grünes Denkmal für Peter Joseph Lenné), Poppelsdorfer Allee, Poppelsdorfer Schloss und Botanischer Garten. Dieses Ensemble ist Kernstück der historischen Überlieferung aus kurfürstlicher Zeit und der frühen Universitätsepoche und ihrer Nachkriegszeit. Es ist darüber hinaus Bonns grüne Mitte beziehungsweise ein grünes Band zwischen Rheinufer und Poppelsdorf.

 

 

Das Ensemble im Einzelnen:


Universitäts-Hauptgebäude, ehemaliges Residenzschloss der Kölner Kurfürsten, 17./18. Jahrhundert, Wiederaufbau nach starker Zerstörung ab 1946 ff.
Hofgarten, angelegt Mitte 18. Jahrhundert von Cunibert Lenné
Stadtgarten, Teil des Hofgartens am Rheinufer gelegen, um 1860 von P. J. Lenné d. J. vor der
Bebauung gerettet; 1904 von der Stadt übernommen
Alter Zoll, ehemalige Bastion auf einem erhöhten Plateau, seit 18. Jh. als Aussichtspunkt erhalten
Institut für Geschichtswissenschaften, ehemaliges Oberbergamt, 1901 im neobarocken Stil anstelle eines Höflingspalais erbaut
Urweltmammutbaum, 1966 zu Ehren von P. J. Lenné zu seinem 100. Todestag gepflanzt zwischen Lenné-Haus und Universitätsgebäude von Graf Bernadotte, dem Präsidenten der Deutschen Gartenbaugesellschaft (zweitälteste Baumart der Welt) 

Poppelsdorfer Allee, um 1750 von Cunibert Lenné angelegt und bepflanzt nach Plänen von G. Hauberat
Poppelsdorfer Schloss, seit 1818 Botanisches Institut der Universität, erbaut Anfang des 18. Jh. als Lustschloss „Clemensruhe“
Botanischer Garten, 1818 eingerichtet im Gelände des ehemaligen Schlossgartens, der im 17. Jh. maßgeblich von Max Heinrich Lenné, Urgroßvater Lennés, angelegt wurde
Rheinpromenade (Brassertufer), im 19. Jh. (Rheinromantik, Beginn der Personenschifffahrt) zur Promenade ausgebaut, 1989 (2000-Jahr-Feier der Stadt Bonn) große Teile renoviert, seitdem vernachlässigt
Lenné-Parterre, geschaffen 1989, Aufstellen einer Kopie der Lenné-Büste von K. Fr. Rauch (1847), umgeben von Blumenbeeten und Bodenmosaik
Lenné-Haus (vor 1780), 1818 als ehemalige kurfürstliche Liegenschaft der Universität übergeben, seitdem von ihr genutzt. Zunächst war es Wohnsitz der ersten Astronomen, darunter der weltbekannte Karl Friedrich Argelander; ab 1854 war es Sitz des ersten evangelisch-theoIogischen Stifts von Bonn. Vor 1945 war es u. a. Sitz des Pedells und nach dem Wiederaufbau Wohnsitz des Kanzlers der Universität. Seit Jahren arbeitet dort u. a. der Personalrat der Universität Bonn.

 

 

Möglichkeiten einer künftigen, angemessenen Nutzung des Lenné-Hauses


1. Ein Lenné-Museum: Lenné-bezogener Schwerpunkt mit Raum für die Geschichte der kurfürstlichen Zeit, für Hofgärten und Gärtner und deren überdauernde Leistung für Bonn – und, mit aktuellem Bezug zur „Grünen Stadt“ im Zeichen des Klimawandels, ein Informations- und Begegnungsort mit Gartencafé. Das Haus könnte Zentrum für ein Grünes Bonn werden.


2. Der Standort des Lenné-Hauses neben dem Alten Zoll - gegenüber dem Rheinufer und der Rheinpromenade an der historischen Rampe auf der einen und der alten Treppe auf der anderen Seite, wo demnächst auch der bereits genehmigte Aufzug eingerichtet wird - und die Historie des ganzen Ensembles sprechen für einen touristischen Anziehungspunkt mit Informationen zur Rheinlandschaft und Lennés Werken im Rheinland sowie Gartencafé.

 


Der Lennépark in Endenich


Als preußischer Generalgartendirektor hat sich Lenné auch in seiner Heimatstadt für öffentliche Projekte eingesetzt, beim Bau der ersten Eisenbahntrasse über die Poppelsdorfer Allee, bei der Erweiterung des Alten Friedhofs und bei der Rettung des Hof- bzw. Stadtgartens vor Bebauung. 

 

Ein privater Park wurde von ihm in Endenich "Auf dem Hügel 6" errichtet. Nach 1945 wurde das stark zerstörte Gelände von der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität genutzt. In den sechziger Jahren wurde es durch einen Straßenneubau durchschnitten und ist aktuell durch die geplante massive Verbreiterung der A565 samt Regenwasserbehandlungsanlage für diese Autobahn bedroht. Dabei ließe sich aus dem vom Lenné-Park noch Vorhandenen - Wege, Bäume und Grünflächen sowie dem überlieferten Originalplan - der Park rekonstruieren und so in Bonn das einzig sichtbare Werk von Lenné schaffen und gleichzeitig die erhebliche Luft- und  Lärmverschmutzung abwenden. Dadurch könnte im Zusammenhang mit dem Immenburg-Park eine attraktive Grünverbindung vom Endenicher Zentrum zum Meßdorfer Feld bzw. nach Dransdorf geschaffen werden.

 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
©2018 Lenné-Gesellschaft Bonn e.V.