Der Lenné-Park in Ballenstedt
Als einen „Arkadischen Sommertraum“ beschreibt Christa Hasselhorst in ihrem Buch „Peter Joseph Lenné- Vom Erschaffen einer Landschaft“ den Lenné-Park in Ballenstadt bei Quedlinburg.[1]
Als Lenné mit der Planung des Parks beauftragt wurde, war er schon 70 Jahre alt. Zu dieser Zeit war Lenné noch mit vielen anderen Projekten beschäftigt. Bis 1861 war er in Koblenz mit den Kaiser Augusta Anlagen und dem Park des kurfürstlichen Schlosses befasst. 1860 plante er auch die Parkanlage am Schloss Lindstedt. Es sollte einmal der Altersruhesitz von König Wilhelm IV werden. Der verstarb jedoch am 2. Januar 1861. Sein Nachfolger Wilhelm I. zeigte jedoch wenig Interesse an dem Schloss, lässt es aber fertigstellen. Auch Lenné baut in Koblenz ein Haus als Altersruhesitz, das auch er aber nicht mehr beziehen wird.
Neben den Planungen für Schlossparkanlagen an königlichen und fürstlichen Schlössern beschäftigte sich Lenné auch mit der Stadtplanung. In Österreich nahm Lenné 1858 an einem städtebaulichen Wettbewerb zur Ringstraßenplanung teil. Lenné hatte von allen Teilnehmern die meisten Grünflächen eingeplant. In Wien erwartete man aber einen großen, umlaufenden Boulevard, auf dem große Truppenkörper marschieren konnten. Dem entsprachen nicht die von Lenné geplanten schönen Gartenanlagen und Windungen, die auf die Architektur abgestimmt waren. Obwohl Lennés Entwurf nicht Berücksichtigung fand, erhielt er vom Kaiser Franz Joseph 1860 das Ritterkreuz des Franz-Josephs-Ordens und später das Comturkreuz des Ordens. Heute würde sich Wien über mehr Grün in der Stadt freuen.
1859 plante Lenné in Bonn Endenich auch den Garten Michels. Er war der Schwiegersohn des Bonner Bürgermeisters Leopold Kaufmann mit dem Lenné befreundet war. Es ist das einzige Projekt in Bonn, von dem nur noch Reste erhalten sind. Die Lenné-Gesellschaft setzt sich für den Erhalt des Parks ein.
Auch die Planungen der Bürgerwiese in Dresden datieren in 1859. Sein letztes großes Werk war die Planung der Flora in Köln 1862. Auch hier kann man eine Wasserkaskade bewundern.
Der Schlossgarten in Ballenstedt zählt mit zu Lennés Spätwerken.
Lenné wurde hier unter dem letzten Herzog Alexander Carl von Anhalt-Bernburg 1858 mit der Planung beauftragt. 1860 legte er zwei Pläne vor. Einen für die Umgestaltung des Schlossgartens und einen gesondert für die Schlossterrasse. Auf der Terrasse war ein Wasserbecken in Vierpassform. Ein prägendes Element der preußischen Gartenkunst. Vorbilder gab es im Park Sanssouci unterhalb der Weinbergterrassen, das große Fontainebecken.
Die Wasserachse im Schlosspark in Ballenstedt ist ein Meisterwerk Lennés. Seine Idee war es, eine Achse zu schaffen, die sich durch vier verschieden geformte Wasserbecken in unterschiedlicher Geländehöhe harmonisch in den Landschaftspark einfügt.
Im obersten Becken befand sich ein Drachen, der das Wasser 24 m hoch spie. Die Drachenfontäne ist der Hauptanziehungspunkt des Schlossparks. [2]
Die Achse ist mit Treppen und mit Blumenpflanzungen verbunden. 1860 wurden Bäume gepflanzt u.a. Esskastanien, Ginkgo, Linden, Ahorn, Platanen, Eichen und Buchen sowie Fichten, Hemlocktannen, und Schwarzkiefern.
Herzogin Friederike schrieb am 3.12.1860 an Lenné:
„Ew. Hochwohlgeboren haben sich Uns durch die unter Ihrer Leitung erfolgte gänzliche Umgestaltung und Verschönerung Unseres Schloßgartens zu Ballenstedt zu ganz besonderem Dank verpflichtet. Um Ihnen denselben in Etwas zu bestätigen, haben Wir bei unserem Herzoglichen Gesamthause die Verleihung der Commandeur-Insignien II. Klasse des Herzoglich Anhaltinischen Gesamthaus-Ordens Albrechts des Bären an Sie beantragt. Indem Wir Ihnen die Decoration nebst Patent und Ordens-Statuten übersenden, bitten wir Sie, dieselbe als ein Zeichen Unserer Hochschätzung und Wohlgeneigtheit annehmen zu wollen.“ [3]
Lenné bedankt sich am 11.12.1860 für die Auszeichnung. Bekanntlich durfte Lenné als oberster Gartenbeamter kein Geld annehmen.
Juli Harksen in Hinz[4] führt aus: „In dem Ballenstedter Park, der von unvergleichlichem Stimmungszauber ist, hat sich nicht nur die Gartenkunst des 19. Jahrhunderts ein Denkmal gesetzt, sondern die ganze Geistigkeit dieses Zeitalters offenbart sich in ihm in einigen ihrer edelsten Seiten, in ihrem großen Ernst, in ihrer Ehrfurcht vor dem Vergangenen und in dem Ringen um eine neue Zukunft.“
Die Stadt Ballenstedt führt jetzt eine umfassende Sanierung der Wasserachse durch. Sie investiert 3,6 Mio. Euro in die historische Anlage.
Wir sind sicher, dass sich diese Investition lohnen wird, denn die Wasserachse ist ein Juwel.
Der Vorstand der Lenné-Gesellschaft Bonn e.V. wird zur feierlichen Wiedereröffnung in 2027 dabei sein.
[1] Christa Hasselhorst, Peter Joseph Lenné- Vom Erschaffen einer Landschaft
[2] https://gartentraeume-sachsen-anhalt.de/de/gartentraeume-parks/schlosspark-ballenstedt.html
[3] Gerhard Hinz, Peter Joseph Lenné Das Gesamtwerk des Gartenarchitekten und Landschaftsplaners, 1989 Olms-Verlag