Lenné-Gesellschaft Bonn e.V.
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Ein Lenné-Park in Bonn

von Ingeborg Nolden

 

 

In Endenich an der Straße „Auf dem Hügel“ gab es bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges einen wunderschönen Park, darin ein Landhaus unweit der Straße. "Es lag auf einer Anhöhe inmitten eines großen Parks, an den sich ein Obst- und Gemüsegarten anschloss und eröffnete einen weiten Blick über blühendes rheinisches Land bis zum Siebengebirge" (Paul Kaufmann, Jugenderinnerungen, 1936).

 

In der Plankammer in Potsdam liegt eine Zeichnung von Lenné "Project zur Gartenanlage des Hrn. Michels zu Endenich bei Bonn". Der Plan datiert vom Oktober 1859 und zeigt einen großen Park mit weit ausladenden, geschwungenen Wegen, breite und schmale, insbesondere in Richtung Endenicher Straße. Am entgegengesetzten Rand ist ein Hippodrom eingezeichnet, das aber nicht verwirklicht wurde, auch vor der Villa eine regelmäßige Form, ein Hufeisen, darin zwei Springbrunnen und vor der Eingangsseite der Villa ein Rondell. Außer den Fotos vom Haus existieren auch Aufnahmen vom Park aus der Zeit um 1900. Sie zeigen Springbrunnen, Pergola, Balustrade, Pavillon, Rasen und Zierbeete sowie exotische Pflanzen und umgebenden dichten Baumbestand (Abb. 2-4. Aufnahmen um 1900. Quelle: Bildsammlung Hans-Werner Greuel Bonn).

 

     

     

Familie Michels, begüterte Kaufleute aus Köln, hatten bereits 1818 das Landgut "Zum Kreuz" erworben. Vom "Hügel" hatte man damals freie Sicht auf das Siebengebirge. 1859/60 baute der Sohn Peter Michels, Landtagsabgeordneter und Schwiegersohn des Bonner OB Leopold Kaufmann, das große Landhaus zum Ferien- und Wochenendaufenthalt. Er bat den in Bonn geborenen preußischen Generalgartendirektor Peter Joseph Lenné, den Park zu gestalten.

 

Nach dem Tode von Peter Michels wurde das Haus an einen Herrn Küpper verkauft, der Haus und Park "Hoheneich" nannte. 1926 erwarb die Stadt Bonn das ganze Gelände und richtete ein Erholungsheim für Kinder ein, betreut vom Roten Kreuz.

 

 

 Am 28. Dezember 1944 legte ein Bombenteppich Endenich in Schutt und Asche. Auch die Villa und der Park wurden stark getroffen. Alle Gebäudeteile wurden abgerissen. Auf dem in den ursprünglichen Grenzen vorhandenen Parkgelände mit altem Baumbestand und Wegen entstand das Institut für Pflanzen- und Gartenbauwissenschaften der Universität Bonn, die auch das Gelände erwarb. Heute ist es, wie alle Liegenschaften der Universität, Landeseigentum.

 

Um 1970 wurde der Park für eine Umgehungsstraße für Endenich - den heutigen Hermann Wandersleb-Ring - um eine erheblich große Ecke verkleinert. Aktuell drohen weitere Flächen von einer Verbreiterung der A565 und zudem durch den Ausbau des Campus Endenich verloren zu gehen. Dabei wäre gerade an dieser so verkehrsreichen Stelle "Endenicher Ei" und Autobahnquerungen und -zubringer viel mehr Grün erforderlich für gesunde Stadtluft, insbesondere in Zeiten der Klimaerwärmung. Auch dem kulturellen Erbe der Stadt, und dem was man davon vorzeigen kann, käme ein wiederbelebter Lenné-Park sehr zu Nutzen.

 

Leider wurde unser Antrag auf Denkmalschutz des Parks abgelehnt mit der Begründung, dass zu wenig vom historischen Park erhalten sei. Einzelne Bäume darin stehen seit langer Zeit unter Naturschutz.

 

03.12.2021

 

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