Lenné-Gesellschaft Bonn e.V.
Lenné-Gesellschaft Bonn e.V.

Vortrag von Stefan Lenzen                        "Auf den Spuren von Peter Joseph Lenné - Koblenz, Bundesgartenschau 2011"

Bericht von Ingeborg Nolden

 

6.5.2021, 18:00 Uhr bis 19:00 Uhr online Vortrag, FSA und Lenné-Gesellschaft:
Stefan Lenzen, Landschaftsarchitekt und Mitglied der Lenné-Gesellschaft Bonn e.V.:
„Auf den Spuren von Peter Joseph Lenné - Koblenz, Bundesgartenschau 2011“.

 

Zu dem Wettbewerb für die Bundesgartenschau gab es 45 Bewerber, RMP Lenzen erhielt den ersten Preis. Die Ausführungsarbeiten begannen 2006; im Frühjahr 2011, also vor genau zehn Jahren, wurde die Bundesgartenschau in Koblenz eröffnet.
 

1. Schlossgarten
1842 hatte Lenné von König Friedrich Wilhelm IV, der sich das Schloss als Residenz in der Hauptstadt der Rheinprovinz gewählt hatte, den Auftrag zur Schlossgartengestaltung erhalten. Er fand einen stark vernachlässigten Park vor, der seit 1816 fürs Militär und als Ablageplatz genutzt worden war. Ähnlich war die Situation 2006 wie für Lenné. (In einem Teil des Schlosses waren und sind Abteilungen des Bundesrechnungshofes untergebracht).

 

Abb.: Lenné‘s Schlossgartenplan von 1842. Kolorierte Federzeichnung von Koch, um 1872, LHA Koblenz 702, Nr. 2277, Bl. 174. Aus: Petra Habrock-Henrich. Peter Joseph Lenné als Stadt- und Gartenplaner in Koblenz. In: Peter Joseph Lenné --- eine Gartenreise im Rheinland. Koblenz 2011, S. 142

 

Lennés Plan von 1842 lag die Idee zu Grunde, die architektonischen Linien und Maße der Schloss-Gebäude im Garten aufzugreifen, so dass sie sich spiegeln und ergänzen. Ausgerichtet auf die Mittelachse der Fassaden konzipierte Lenzen die Bereiche also spiegel-gleich und orientierte sich auch an den Abmessungen der Bauteile. Er arbeitete dabei mit Zirkelschlägen, was mir bislang bei Lenné unbekannt war, aber dem Plan des Koblenzer Schlosses durchaus angemessen ist. Auch
Lenzen griff die Methode auf, und es führte zu unerwarteten geometrisch bestimmten Beetformen.
Der Baumbestand im Park stammt zum z. T. aus Lennés Zeit; von ihm angelegte Wege wurden erhalten. Dass es, wie typisch für ihn, auch eine Pergola gegeben haben sollte, wurde erst durch die Ausgrabungen bestätigt. Sie wurde von Lenzen in moderner Konstruktion neu errichtet.
Lennés Plan von 1842 zeigt auch, wie so oft bei ihm, das Formale (Regelmäßige) geht ins Freie über (siehe oberen Bereich im Plan die Gartenteile rechts und links).
Zentral war ein großes rundes Beet. Im Dritten Reich mit einem Hakenkreuz besetzt sollte es in Übereinstimmung mit dem Denkmalamt nun eine quadratische Form erhalten, um Erinnerungen zu vermeiden.
Auf einem der Plätze des Schlosses gestaltete Lenzen das „Schmuckkästchen der Augusta“, die 1850-58 mit ihrem Gemahl, Kronprinz Wilhelm, im Schloss lebte, Koblenz liebte und daher später
öfter hier weilte. Mit einem halbrunden Wasserspiegel schuf Lenzen darin ein beeindruckendes Element.
Stadt und Schloss verband Lenzen mit einer großen Freitreppe, fast so breit wie die Schlossfassade. Sie hat kein Geländer, weswegen ihr bis heute die offizielle Baugenehmigung fehlt. Sie wurde zum
besonders belebten Ort und ist es bis heute.

 

2. Die Rheinpromenade

Konrad Adenauer Ufer, der „Rheinufer-Boulevard“ hat einen besonderen Belag (vergleiche Diskussion). Lenzen ist absolut gegen Betonplatten. Fuß- und Radwege sind getrennt, der PKW-Verkehr verboten, eine Tiefgarage gebaut, die mittleren Felder den Platanen, von denen keine erneuert werden musste, vorbehalten. Lampen, Sitzbänke mit „bequemer Einkerbung“, Müllbehälter und „Schleppstufen“ eigens entworfen.
Die Anlagen auf Ehrenbreitstein, eine besondere Herausforderung aufgrund der alten Festungsanlagen, waren und sind auch dank der Gondel über den Rhein ein überraschend großer Erfolg.

 

3. Diskussion
Fr. Was würden Sie heute anders machen
A.: 1. „noch mehr grün“
      2. „Hier gehört überhaupt kein Beton hin“


Frage nach dem Epoxidharzbelag der Wege.

Antwort: Dieses ist ein Belag, die sowohl wasserdurchlässig als auch wasserundurchlässig sein kann. Er ist relativ teuer, circa 300 € pro
Quadratmeter und doppelt so teuer wie herkömmliche Belag. Er kann aber heute auch so gestaltet werden, dass Regenwasser an die Wurzeln der Bäume geleitet wird. „Das Wasser kann man sammeln und über ein System punktuell zu den Bäumen führen“.


Fr.: nach der Grauwacke
A.: Es gibt noch einen Steinbruch dafür im Bergischen Land.
Kosten: Für die Stadt Koblenz hat sich diese Bundesgartenschau gelohnt, denn sie musste letzten Endes nur einen Eigenanteil von 15 Millionen € zahlen, der Rest (circa ½ Milliarde) kam von
extern.

 

Lehren für Bonn → Rheinpromenade – Neugestaltung
- Der Wettbewerb läuft; Herr Lenzen ist Teilnehmer, daher zurückhaltend in seiner Antwort.


Aber er denkt dann doch laut:
- Sein Traum: Ein Rundweg hin entlang des Wassers (sprich Rhein) und zurück im Grünen (sprich vom Park des Palais Schaumburg und der Villa Hammerschmidt durch weitere Gärten, zum Beispiel Villa Prieger (Herr Montag wäre bereit dazu) zurück.

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