Lenné-Gesellschaft Bonn e.V.
Lenné-Gesellschaft Bonn e.V.

Mittelmeerzypressen in Bonn

von Jost Brökelmann

 

 

Vorkommen


In Bonn gibt es zahlreiche Bäume der Gattung „Zypressen“ wie Schein- und Sumpf-Zypressen, aber kaum Hinweise auf Mittelmeerzypressen, wissenschaftlich cypressus sempervirens. Im Folgenden wird über Mittelmeerzypressen berichtet, die in Kessenich am Fuße des Venusberghangs wachsen und offenbar gut mit dem Klimawandel der letzten Jahre zurechtkommen. Die ältesten Exemplare sind über 50 Jahre alt.
1997 wurde die erste Zypresse in unseren Garten gepflanzt (Abb. 1). Die Idee, Mittelmeerzypressen in Bonn zu pflanzen, stammte von unserem Nachbarn Hans Schmitz, der vom Sommerurlaub in Italien (Toskana) seit etwa 1970 mindestens 3 Zypressen mitbrachte und in seinem Garten in Kessenich ansiedelte (Abb. 2). Kurz vor seinem Tode pflanzte er noch eine weitere Zypresse in seinen Vorgarten.
In unserem Garten (2272 m² groß) stehen mittlerweile 7 Zypressen, zwischen 28 und 4 Jahre alt (Abb. 3). Alle wurden in örtlichen Baumschulen mit einer Einkaufshöhe von ca. 1,5 m als
Importware aus Italien eingekauft.
In den ersten Jahren versorgten wir die Jungbäume noch mit Winterschutz, die letzten Zukäufe von 2019 und 2020 erhielten wegen der mittlerweile milden Winter keinen Winterschutz mehr. Nach 3-
jährigem Einwachsen scheinen alle Zypressen gut mit den örtlichen Verhältnissen zurechtzukommen. Keine der Zypressen zeigte im Laufe der Jahre Frostschäden; keine wies Dürreschäden auf, auch nicht in den Dürre-Jahren 2017 bis 2020. Eine 8. Zypresse seitlich einer
Garagenwand wurde bei Isolierungsarbeiten an der Wand durch Chemikalien derart geschädigt, dass sie kurze Zeit danach einging.


1. Zwischenfazit:

Mittelmeerzypressen gedeihen offenbar gut im Bonner Raum.

 

Bonner Klima


Mit einem Winterhärtegrad 8a war die Bonner Bucht wegen des Einflusses des Golfstroms schon immer eine der wärmsten Gegenden Deutschlands. Die mittlere Jahrestemperatur erhöhte sich im Jahre 2020 auf 12,0 ºC bei einem mittleren Niederschlag von 750 mm.1
Im Klima von Kessenich gedeihen nach 30-jähriger Erfahrung folgende Bäume, die früher als Mittelmeerflora galten: Zypresse, Smaragd-Thuja, Magnolia grandiflora, Feigenbaum, Judasbaum, Kreppmyrte Lagerstroemia, Tamariske, Quercus ilex, Kamelien, sogar bedingt winterharte Sorten eines Oleanders namens „Atlas“.
Ein Ölbaum, der 2009 gepflanzt wurde und dessen Wurzelbereich im Winter durch ein Thermostatgesteuertes Heizkabel frostfrei gehalten wird, zeigte nach strengen Wintern zwar oberirdische Frostschäden, erholte sich aber gut. Ab 2016 produziert er jährlich Früchte. Diese blieben, wahrscheinlich wegen der Dürre-Sommer 2018 bis 2020, noch klein bis mittelgroß.


2. Zwischenfazit:

Bonn scheint heute ein Klima zu haben, wie es noch vor 30 Jahren im Norden Italiens, z. B. Genua, vorherrschte. Deswegen sollten wir heute im Bonner Raum Bäume und Sträucher verwenden, die dem heute vorherrschenden Klima, das eher einem Mittelmeerklima ähnelt, angepasst sind.

Sogenannte „heimische“ Bäume waren an das frühere Klima angepasst und tun sich heute häufig schwer. In den letzten 25 Jahren sind im eigenen Garten folgende, z. T. als „heimisch“ geltende Bäume eingegangen, weil offenbar Klima- und Standortverhältnisse nicht günstig waren: Nussbaum (Juglans regia), Stieleiche (Quercus robur), Birke (Betula jacquemontii (utilis)), Blauglockenbaum
(Pawlownia tomentosa), Kiefer (Pinus), Sommerflieder (Buddleia), Ahorn (Acer rufinerve), Birne „Gute Luise“, Trompetenbaum (Catalpa bignonioides), Himalaja-Zeder (Cedrus deodora), Scheinzypresse (Chamaecyparis lawsonia), Gewöhnliche Eberesche (Sorbus aucuparia), Schneeglöckchenbaum (Halesia carolina), Lärche (Larix decidua), Omorikafichte, Kiefer (Pinus x schwerinii), Prunus-Sauerkirsche „Morellenfeuer“, Weide (Salix pentandra). 
Weitere sog. „heimische“ Bäume hatten während der Dürre-Sommer sichtlich gelitten.

 

Dokumentierte Zypressen im Bonner Raum


Hinter dem Eingang des Nutzgartens des Botanischen Gartens steht eine hohe Mittelmeerzypresse (Abb. 4). Sie wurde 1970 gepflanzt, ist also über 50 jahre alt und wurde 2009 als „Baum des Monats Dezember“ gefeiert.2 Im Jahre 2017 wurden gleich hinter dem Haupteingang des
Botanischen Gartens zwei Mittelmeerzypressen gepflanzt (Abb. 5). Alle 3 Mittelmeerzypressen sind im Pflanzenkatalog des Botanischen Gärten nicht erwähnt.
In der „Liste der Naturdenkmale in Bonn“3 sind keine Mittelmeerzypressen aufgelistet, nur eine Scheinzypresse und vier Sumpfzypressen.
Im Park Härle in Bonn-Oberkassel steht zumindest eine Mittelmeerzypresse der Sorte “Garda”.4

 

Geschichtliches


Im „Inventar der Bonner Orangerie von 1761“ werden für die Zeit des Kurfürsten Max Friedrich u. a. erwähnt: „grosse Cypressenbaum Piramiden in büdden“, Anzahl 12, und „kleine Cypressenbaum
Piramiden in scherben“, Anzahl 24, erwähnt.5 Zypressenbäume gab es also schon in Bonn im 18. Jahrhundert, allerdings nur in Kübeln.6
Im Jahre 1820 erhielt der neu-gegründete Botanische Garten der Universität zahlreiche ältere Bäume - einmal aus Koblenz vom Landesbaumschuldirektor Peter Joseph Lenné d. Ä., zum anderen
aus den Altbeständen der Brühler Orangerie. Unter diesen befand sich zumindest eine Zypresse.7

 

Ausblick


Für Bonn bieten sich Mittelmeerzypressen als markante „Signalbäume“ an, die südländisches Flair in die Stadt bringen können. Deswegen haben wir sie als Allee-Bäume sowohl für die Autobahn 565 als auch für das Projekt „Rheinuferpromenade“ empfohlen.

 

 

Zitierte Literatur

1 Quelle: https://www.wetterkontor.de/de/wetter/deutschland/monatswerte-station.asp

2 http://www .unibonn.de/neu/3 50 – 2009
3 https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Naturdenkmale_in_Bonn
4 eigener Besuch 2015
5 Bay. HstA München. RKG 14/1
6 Helga Stoverock, Der Poppelsdorfer Garten. Vierhundert Jahre Gartengeschichte. Phil. Diss. Bonn 2001, S. 280
7 Helga Stoverock, s. o., S. 209

 

 

 

 

Abbildungen

Abb. 5: Zwei Zypressen am Haupteingang des Botanischen Gartens

  

 

 

 

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