Lenné-Gesellschaft Bonn e.V.
Lenné-Gesellschaft Bonn e.V.

Stellungnahme

Massiver Ausbau von Uni-Campus Endenich und A565 zerstört historischen Lenné-Park und verschlechtert das Bonner Stadtklima

Lenné-Gesellschaft Bonn e. V.i

 

Das Land NRW gibt den seit 1859 bestehenden Lenné-Park auf, um den Ausbau des Universitäts-Campus Endenich und der Stadtautobahn 565 nach alten Plänen durchzusetzen. Dafür nimmt NRW eine massive Verschlechterung des Stadtklimas im Bereich von Weststadt und Endenich in Kauf. NRW verletzt damit sowohl die europäischen Ziele zum Klimaschutz als auch die Charta von Florenz (1981) zum Schutz historischer Gärten. Vor allem wird das Land NRW der Gesundheit der Bonner Bevölkerung mit großer Wahrscheinlichkeit schaden und damit seine Fürsorgepflicht verletzen.

 

Forderungen der Lenné-Gesellschaft Bonn e. V.ii

  1. Alle geplanten Gebäude des neuen Campus Endenich sollten (aufgrund des für Bonn ausgerufenen Klimanotstands) klimaneutral erstellt werden, wie es u. a. das Bundeskabinett am 21.08.2021 für alle Bundesbauten beschlossen hat.

  2. Die Erklärung des Klimanotstandes in Bonn und der Beschluss des Bundes-verfassungsgerichts vom 24.03.2021 erfordern eine Neubewertung von Bauprojekten, besonders von innerstädtischen Autobahnen wie der A565.

  3. Die geplanten Grünanlagen des Campus Endenich (zwischen der Straße „Auf dem Hügel“ und der Gebäudereihe des Campus Endenich) sollten als öffentlicher Park angelegt werden, in dessen südlichem Teil die Reste des alten Lenné-Parks denkmalgerecht restauriert und gepflegt werden.

  4. Der offen gelegte Endenicher Bach sollte den neuen Park als Natur- und Erholungsraum aufwerten.

 

Chronologie, Kritikpunkte

  • Der Bürgerausschuss der Stadt Bonn hat 2020 den Antrag der Lenné-Gesellschaft Bonn e. V., den Lenné-Park in Endenich zu übernehmen, zu restaurieren und zu einem öffentlichen Park auszubauen, abgelehnt.iii

  • Die Bezirksregierung Köln hat 2020 die Denkmalwürdigkeit des Lenné-Parks abgelehnt, obwohl die Originalpläne von Peter Joseph Lenné noch vorhanden sind und die Wegführung restauriert werden könnte. Damit handelt das Land NRW gegen die Charta von Florenz, der es selbst beigetreten ist.iv

  • Das Land NRW plant den Ausbau des Campus Endenich parallel zur A565 durch eine Kette von bis zu 6-stöckigen Gebäuden in Beton-Bauweise.v Diese Bauweise erhöht die klimaschädliche Situation der Stadtgebiete Weststadt und Endenich (Abb. 1).

  • Zwei Petitionenvi,vii,viii der Lenné-Gesellschaft Bonn bezüglich des Lenné-Hauses, des Lenné-Parks und des Kurkölnischen Erbes in der Stadt wurden von der Staatskanzlei NRW mit folgenden Worten abgelehnt:

    Sie beziehen sich in Ihrem Brief auf Ihre Eingabe vom 3. März 2021 und auch auf die Antwort von Herrn Schürmann aus dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen vom 22. Juli 2021. Die darin von Ihnen aufgeworfenen Fragen zum Konzept zur Erhaltung des kurkölnischen Erbes und auch zur Frage der Finanzierung des Erhalts des Erbes, z. B. durch die Gründung einer landeseigenen Stiftung, habe ich dem oben genannten Ministerium und auch dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft vorgetragen. Beide Ressorts sehen leider keine Möglichkeit, unterstützend in diese Richtung tätig zu werden.“

  • Die „Reste“ des Lenné-Parks sollen laut Plan unter Erhalt der denkmalgeschützten Mammutbäume in die Grünanlagen der Universität integriert werden - wie, wird nicht gesagt.

  • Die Autobahn 565 soll nach den Plänen des Bundes bzw. der Autobahn GmbH im Bereich des "Tausendfüßlers" auf mehr als das Doppelte erweitert werden.

  • Die Weststadt von Bonn gehört schon heute zu den humanbioklimatisch sehr ungünstigen Stadtbezirken. Sie müsste laut Stadtklimaanalyse 2018/2020 entsiegelt und begrünt werden.ix

 

Zukunft

Die Bauvorhaben des Landes NRW (Universität) und des Bundes (Autobahn GmbH) grenzen direkt an die Weststadt und an Endenich. Diese Massierung von zwei Großbauvorhaben zwischen zwei bioklimatisch als ungünstig bzw. sehr ungünstig eingestuften Stadtteilen hat zur Folge:

  • Eine zunehmende Luftverschmutzung von Bonn

  • Zunehmenden Lärm in diesem Stadtteil

  • Eine weitere Erhitzung der in einem Talkessel gelegenen Stadt Bonn

  • Eine Erhöhung der Zahl der in Bonn wegen Umweltschäden vorzeitig gestorbenen Stadtbewohner, die schon heute über 441 Tote pro Jahr zählt.x Dieses muss aus Gründen der Gesundheitsfürsorge durch Staat und Gesellschaft dringend vermieden werden.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                       Zitate                                                                                             

i)  Jost Brökelmann, Ingeborg Nolden, unter Mitarbeit von: Raimund Gerber, Linda Mattern, Heinz Hahn, Sigurd Trommer, Martin Bredenbeck, Klaus Bouchon, Helmut Lippmann, Michael Wenzel, Matthias Simon, Rudolf Neidert, Helga Stoverock, Walter Christian

iv)  Konventionen zum Denkmalschutz. Wissenschaftliche Dienste, Deutscher Bundestag. AZ: WD 10 – 3000 – 055/11 vom 1. Juni 2011

 

 

Abbildungen im Anhang

      

Abb.1: Bebauungsplan des Campus Endenich neben der Autobahn 565 und der Weststadt.

Geplante Gebäude = schwarz markiert, zu bebauendes Grundstück = hellgrüner Hintergrund. Ursprünglicher Lenné-Park = dunkelgrüne Linie, vorgeschlagene Erweiterung = grün gestrichelt. Rot = Erweiterung des Hermann-Wandersleb-Ringes und der Autobahn 565. Regenwasser-Auffangbecken = türkis gefärbt. Weststadt = rötlich umrandet. Blau = offen gelegter Endenicher Bach. i = Immenburgstraße

 

Abb. 2: Luftbild Campus Endenich

 

Abb. 3: Geplante Erweiterung der A565, daneben der neue Campus Endenich

 

Abb. 4: Im Lenné-Park Endenich 2019 (Foto: I. Nolden)

 

     

 

Stellungnahme-2021-11-07
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